Back to Overview

Pitfire.net
25.05.2007 / David Spring

La Rocka, Metro, Olten

Ja, La Rocka im Metro in Olten ist immer wieder eine Freude. 100 Liter Gratisbier und jute Musik, was will man mehr? Wenn dann noch meine Helden der Luzerner Streetpunk Truppe Failed Teachers aufspielen, dann ist das eigentlich ein Pflichtanlass der Superlative. Dass es allerdings so chaotisch und kaputt werden würde, darauf war auch ich nicht gefasst.

Aber beginnen wir von vorne. Zuerst nämlich wurden die Jungs von Bump Liz aus Bern (wo sonst bei dem Namen) auf die Bühne geholt. Zwar waren noch sehr wenig Leute im Metro, doch als dann die ersten Klänge ertönten füllte sich der Raum vor der Stage doch gut auf. Die Berner, die heute zum ersten Mal mit einem zweiten Gitarristen auftraten hauten uns eine Mischung aus Emo und Grunge um die Ohren, angereichert mit schönen Metal Parts und starken Melodien. Die Band spielte tight zusammen und verstrahlte eine gute Portion an Spielfreude und Energie. Musikalisch bewegten sich die fünf auf erstaunlich hohem Niveau (wenn ich daran denke, was uns danach bei den Teachers erwartete...), einzig das Keyboard ging völlig unter. Ob das daran lag, dass das Metro eh schwer zu beschallen ist, Keyboards nur zur Zierde da sind oder daran, dass der Keyboarder hinter einem Stützpfeiler versteckt war und so auch auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich war sein mal dahin gestellt. Nichtsdestotrotz wurde das Metro schon mal gut gerockt während den ungefähr 40 Minuten, die Bump Liz Zeit hatten. Zwar war das sicher nichts, was man nicht schon mal gehört hätte oder die (Musik-)Welt aus den Fugen reißen würde, aber sympathisch ist diese Band allemal und spielen können sie auch. Ein gelungener Auftritt also.

Ja, und dann war auch fertig lustig, denn nach einem überraschend kurzen Umbau (was wohl an der minimalistischen Bühnenausstattung der Teachers liegt) begaben sich Gitarrist Prof. Roc. Fuc. Turbowolf und Drummer Dr. Punc. Suc. El Padre auf die Bühne. Letzterer allerdings nur eher schlecht als recht. Sah ich ihn schon vor dem Konzert herumwanken stellte sich jetzt heraus, dass Backstage leider etwas zu viel Jägermeister rumstand. Sprich: ½ der grandiosen Failed Teachers waren schon vor dem Konzert sturzbetrunken. Nicht dass das jemanden gestört hätte, am allerwenigsten die Band selber. Diese legte auf jeden Fall irgendwie los und schnell sollte sich zeigen, was das Metro heute erwartete. Wenn man den Zustand von El Padre beachtete war es höchst erstaunlich, dass dieser überhaupt auf die Bühne fand, Turbowolf allerdings spielte erstaunlich souverän und blühte auf. Dennoch war dieser Auftritt der mit Abstand chaotischste den ich je erlebt hatte. So kam es auch, dass den beiden sympathischen Luzernern schon nach drei Liedern der Strom abgedreht wurde, weil El Padre eine volle Wasserflasche über sein sowieso schon stark havariertes Schlagzeug sowie der ganzen Elektronik auf der Bühne leerte. Die Veranstalter und Techniker schwitzen Blut in der Angst um ihre Anlage. Turbowolf versicherte ihnen dann aber, dass sie sich zusammenreißen würden und weiter ging’s.
Die Menge tobte auf jeden Fall, auch weil es einfach köstlich war, dem besoffenen Schlagzeuger zuzuschauen. Dieser stolperte nach jedem Song auf der Bühne herum, fiel vom Hocker, entblößte mal seinen Hintern (Olten wird seiner Meinung nach nur von Schwulen und Prostituierten bevölkert) und zerstörte sein Schlagzeug. Nur dank den geduldigen Leuten vor der Bühne konnte er darauf noch einigermaßen spielen. Die Failed Teachers sind einfach tatsächlich die geilste Band die ich je live gesehen habe, einfach zu amüsant. Weil, die Songs und die Energie dieser Band sind einfach genau das, was es braucht, um auch aus einem Drecksloch wie Olten einen tobenden Riot zu machen. Zwar waren die Veranstalter von hardride.ch (Ein riesiges Dankeschön hier, dass man diese zwei Irren trotz allem weiterspielen ließ!!) total entnervt und ich bin mir sicher, dass die Teachers zum ersten und letzten Mal hier waren, aber die Menge tobte und man hatte sichtlich Spaß wie selten hier.
Der Wahnsinn nahm also seinen Lauf, Turbowolf gesellte sich ab und zu mit seiner Gitarre in den Pogomob vor der Bühne, wälzte sich auf dem Boden, während El Padre in seiner eigenen Welt verloren war. Irgendwann hatte wohl auch der Gitarrist genug und er fragt sich nicht nur, wieso man sie überhaupt auf eine Bühne ließe, sondern auch, wann denn ihre Stunde Spielzeit endlich vorbei wäre. Die Frage erübrigte sich dann aber, als nach dem abschließenden „With The Lads“ El Padre in hohem Bogen von der Bühne stürzte und reglos am Boden liegen blieb. Turbowolf verabschiedete sich glücklich, wies noch auf den Merchandising-Stand hin und somit war das Metro um einen denkwürdigeren Abend reicher als ihm lieb war.

Die Failed Teachers sind einfach nicht von dieser Welt, so gut hab ich mich schon lange nicht mehr amüsiert. Wie mir versichert wurde, geht es Herrn El Padre wieder gut (er wurde von seinem Bandkumpanen nüchtern geprügelt) und wer dieses Chaos selber mal miterleben möchte, am 7.6. gibt es die zwei in Zürich im SuperZero zu sehen. Hingehen lohnt sich auf alle Fälle, wer anderer Meinung ist, na ja, The Man With The Moustache erwartet euch... In diesem Sinne: Hail to the Teachers.

Back to Overview